Genetik

Wissenswertes zum Thema Genetik in der Wällerzucht

Die klassische Genetik beschäftigt sich mit der Weitergabe und Ausprägung von Erbinformationen an nachkommende Generationen.

Jedes Lebewesen hat Varianten unterschiedlichster Gene. Manche sind gesundheitsfördernd, manche können gefährlich werden, wenn sie in der nachfolgenden Generation auf bestimmte andere Genausprägungen treffen, und manche sind an sich schon möglichst zu vermeiden.

Mit dem Ziel gesunde Hunde zu züchten ist die Genetik für uns ein wichtiges Thema. Verpaarungen, die die Gefahr einer Genkombination bürgen, die kranke Welpen zur Folge haben könnte, lehnen wir daher strikt ab. Um das zu gewährleisten werden für jeden unserer Zuchthunde entsprechende Genuntersuchungen mittels Tests von Laboren der Tiergenetik wie z.B. Laboklin durchgeführt und bei jeder Auswahl einer Verpaarung beachtet. Die Einzelheiten der Kriterien können Sie unseren „Zuchtkriterien“ entnehmen.

Untenstehend finden Sie weitere Informationen über Genvariationen, die in der Wällerzucht Beachtung finden müssen.

Die Fellfarbe Merle

Die Fellfarbe Merle zeichnet sich durch eine charakteristische Fellscheckung aus, wobei Flecken von verdünntem Farbpigment zusammen mit Arealen voller Pigmentierung vorhanden sind. Das für die Merle-Färbung verantwortliche Gen bewirkt also eine Farbverdünnung der normalerweise vorhandenen Farbe. Aber anders als bei anderen Farbverdünnungsgenen ist der Effekt nicht auf das gesamte Fell verteilt, sondern findet sich nur in Flecken, die über den ganzen Körper verteilt sein können. Merle hat auch einen Einfluss auf die Augenfarbe. Merle-gefärbte Tiere können einfarbig braune, einfarbig blaue oder gemischtfarbige Augen (ein blaues und ein braunes Auge oder beide Farben in einem Auge) haben. Die Fellfarbe Merle findet sich in einer Reihe von Hunderassen wie:

  • Deutschen Doggen,
  • Dackeln,
  • Collies,
  • Shetland Sheepdogs,
  • Border Collies,
  • Cardigan Welsh
  • Australien Shepherds
  • Wäller
  • Corgies,
  • Foxhoundschlägen,
  • Dunkerhunden
  • Pomeranian,
  • Pit Bull,
  • Cocker Spaniel
  • Chihuahua

Ursache

Merle wird durch eine Genveränderung im Silver-Gen (SILV, Pmel17) verursacht. Dabei handelt sich um ein mobiles genetisches Element (Retrotransposon), das in das SILV-Gen integriert vorliegt und so dessen Funktion stört. Das für die Merle-Färbung verantwortliche defekte SILV-Gen wird mit M abgekürzt, während das normale SILV-Gen mit m abgekürzt wird. Die typische Merle-Fellfarbe entsteht in Tieren, die das mutierte SILV-Gen heterozygot (mischerbig) tragen (Mm). Das defekte SILV-Gen (M) weist einen unvollkommen dominanten Erbgang auf.

Gesundheitliche Folgen

Tiere, die das mutierte SILV-Gen reinerbig tragen (MM, double Merle), sind hauptsächlich weiß gefärbt und können schwere Fehlbildungen des Innenohres aufweisen, die zur Schwerhörigkeit oder Taubheit führen. Zusätzlich können Fehlbildungen des Auges auftreten, sowie Anomalien des Reproduktionstraktes, des Skeletts und Herzens. Um diese Defekte zu verhindern, sind Merle x Merle Kreuzungen zu vermeiden. In Tieren, die e/e am E-Lokus (MC1R) tragen, wird Merle nicht ausgeprägt. Kreuzungen von Merle- Tieren mit nicht auf Merle-getesteten e/e Tieren (Fellfarbe clear red) sollten also auch vermieden werden. Das gleiche gilt für Fellfarben, in denen Merle schwer zu identifizieren ist wie z.B. fawn, cream, dapple und light sable.

Kryptisches Merle

Obwohl selten, kann ein Hund selbst die Merle-Färbung nicht aufweisen, aber doch die genetische Anlage für Merle tragen und dann auch Merle Nachkommen produzieren. Solche Tiere werden als kryptische Merle Tiere bezeichnet. Es wird vermutet, dass bei kryptischen Merle-Hunden das mobile genetische Element im SILV-Gen verkürzt ist. Eine stabile genetische Reversion, d.h. ein spontaner Verlust der Erbanlage Merle (M) in Nachkommen von Merle-Trägern ist mit einer (angenommen) Rate von 3-4% in der Literatur dokumentiert.

Folgende Genotypen sind möglich

Im Befundbericht sind für einen getesteten Hund sechs verschiedene Ergebnisse möglich:

mm Das Tier ist reinerbig für das Wildtypallel. Die Anlage für die Fellfarbe Merle liegt nicht vor. Das Tier hat selbst die Fellfarbe: Non-Merle.

Mm Das Tier ist mischerbiger Träger des für die Merle-Färbung verantwortlichen, defekten SILV-Gens und des Normalgens. Die Anlage für die Fellfarbe Merle wird mit einer 50%igen Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt. Das Tier hat selbst die Fellfarbe: Merle.

MM Das Tier ist reinerbiger Träger des für die Merle-Färbung verantwortlichen, defekten SILV-Gens. Die Anlage für die Fellfarbe Merle wird mit einer 100%igen Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt. Das Tier hat selbst die Fellfarbe: Double-Merle

M(c)m Das Tier ist mischerbiger Träger für das „kryptische“ Merle-Gen und das Normalgen. Das kryptische Merle-Gen wird mit 50%iger Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt. Das Tier hat selbst die Fellfarbe: Non-Merle (heterozygot „kryptisches“ Merle)

M(c)M(c) Das Tier ist reinerbig für das „kryptische“ Merle-Gen. Das kryptische Merle-Gen wird mit 100%iger Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt. Das Tier hat selbst die Fellfarbe: Non-Merle (homozygot „kryptisches“ Merle)

M(c)M Das Tier ist mischerbig für das „kryptische“ Merle-Gen und das für die Merle-Färbung verantwortliche Merle-Defektgen. Das Merle-Defektgen (und das kryptische Merle-Gen) wird mit 50%iger Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt. Das Tier hat selbst die Fellfarbe: Merle (heterozygot „kryptisches“ Merle)

M(c)M Das Tier ist mischerbig für das „kryptische“ Merle-Gen und das für die Merle-Färbung verantwortliche Merle-Defektgen. Das Merle-Defektgen (und das kryptische Merle-Gen) wird mit 50%iger Wahrscheinlichkeit an die Nachkommen vererbt. Das Tier hat selbst die Fellfarbe: Merle (heterozygot „kryptisches“ Merle)

Die Beurteilung Merle/kryptisches Merle erfolgt nach der aktuellen wissenschaftlichen Literatur (Clark et al., 2006; PNAS 103(5):1376-81).

Die Zucht mit Merle-Trägern

Für die Zucht ist entscheidend, dass Merle-Tiere (Mm; tragen ein mutiertes Gen und ein normales Gen) die Merle-Erbanlage mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an ihre Nachkommen weitergeben. Bei der Verpaarung von zwei Merle-Tieren besteht also die Gefahr, dass ein Teil der Nachkommen reinerbige, Double-Merle Tiere sind, die die oben genannten gesundheitlichen Beeinträchtigungen aufweisen können. Merle-Tiere müssen aber nicht aus der Zucht ausgeschlossen werden. Verpaart man diese mit einem mm Tier (trägt zwei normale Genkopien), können die Nachkommen nur aus Non- Merle (mm) und Merle-Tieren (Mm) bestehen. Für den Züchter ist das frühzeitige Wissen um die genetische Veranlagung seiner Tiere von besonderer Bedeutung. Der Gentest gibt eine eindeutige Auskunft über das Vorliegen der genannten Mutation. Der Züchter kann so unter Berücksichtigung der Information über die genetische Veranlagung mögliche Anpaarungen genau planen.

Kreuzungsschema:

Quelle: www.biofocus.de

Hederitärer Katarakt – HSF4

Der Hereditäre Katarakt beim Australian Shepherd (HC) und nun auch beim Wäller, ist eine erbliche Augenerkrankung, der eine Mutation im HSF4-Gen zugrunde liegt. Dieser Gendefekt wird autosomal dominant vererbt. Der autosomal-dominante Erbgang ist eine Form der Vererbung, bei der bereits ein defektes Allel (dominanter Erbgang) auf einem der beiden homologen Chromosomen zur Merkmalsausprägung reicht. Die genetische Information liegt auf einem der 22 Autosomen und wird unabhängig vom Geschlecht vererbt. Für die Nachkommen eines Erkrankten besteht ein Risiko von 50%, das defekte Allel zu erben und ebenfalls Merkmalsträger zu sein. Sind beide Elternteile erkrankt und heterozygot steigt das Risiko auf 75%. Ist ein Elternteil homozygot, liegt das Risiko bei 100%. Diese Werte haben bei Erbkrankheiten jedoch eher theoretische Bedeutung, da homozygote Träger häufig so schwer erkrankt sind, dass sie nicht das Fortpflanzungsalter erreichen. Die dem Defekt zugrunde liegende Mutation kann mittels eines DNA-Test nachgewiesen werden. Der HC wird autosomal-dominant vererbt, das bedeutet, dass bereits ein betroffenes Allel zu dieser Erkrankung führt. Die Schwere der Erkrankung nimmt zu, wenn der Hund reinerbig für die Mutation ist, d.h. zwei betroffene Allele besitzt.

Es gibt drei Genotypen:

Genotyp N/N (homozygot gesund): Dieser Hund trägt die Mutation nicht und wird nicht am HC erkranken. Er kann die Mutation nicht an seine Nachkommen weitergeben.

Genotyp N/HC (heterozygoter Träger): Dieser Hund trägt eine Kopie des mutierten Gens. Aufgrund des dominanten Erbgangs hat der Hund ein hohes Risiko am HC zu erkranken.

Genotyp HC/HC (homozygot betroffen): Dieser Hund trägt zwei Kopien des mutierten Gens und hat ein extrem hohes Risiko am HC zu erkranken. Er wird die Mutation zu 100 % an seine Nachkommen weitergeben.  Nun haben wir leider in unseren Reihen eine HC betroffene Hündin. Die untersuchte Hündin ist mischerbig (heterozygot) für die Mutation, die als ursächlich für den hereditären Katarakt (HC) beschrieben wurde.

Verpaarungen sehen hier wie folgt aus:

 

(MDR1-Defekt) – Multi Drug Resistance, Ivermectin-Empfindlichkeit

Beim MDR1-Defekt (MDR = Multi Drug Resistance) handelt es sich um eine Störung in der Synthese des MDR1-Proteins (P-Glycoprotein) bei einigen Hunderassen. Dieses Protein spielt bei der Entgiftung des Körpers, z:B. dem Abtransport von Medikamenten, eine Rolle und ist im Gehirn, in Leber, Nieren, Darm, Plazenta und Hoden zu finden. An der Grenze zwischen Blutgefäßen und dem Nervengewebe stellt der MDR1-Transporter in den Endothelzellen (kleiden die Innenwände Blutgefäße aus) der Gehirnkapillaren an der sog. Blut-Hirn- Schranke eine Schutzbarriere für das Gehirn dar. Ein aus dem Blut in die Endothelzelle eingedrungener Fremdstoff (z.B. Ivermectin) wird vom MDR1-Transporter erkannt und durch die Endothelzellmembran zurück in das Blut transportiert. Durch diesen aktiven Transport wird der Übertritt von Fremdstoffen in das umgebende Nervengewebe blockiert. Der genetische Defekt im Gen für das MDR1-Protein führt dazu, dass kein intakter Transporter gebildet wird, so dass Substanzen, wie z.B. das Antiparasitikum Ivermectin, ungehindert ins Nervengewebe übergehen und neurotoxische Schäden verursachen. So kann es bei einer Vielzahl von Arzneistoffen zu einer regelrechten Überschwemmung des Organismus mit der entsprechenden Substanz kommen. Die Erkrankung wird autosomal rezessiv vererbt, so dass mischerbige Tiere, also Anlageträger die nur eine Kopie des Defektgens tragen, nicht erkranken und gesund sind. Das Risiko besteht darin, dass Anlageträger das Defektgen an die Nachkommen weitervererben können und bei Anpaarung von zwei Anlageträgern betroffene Nachkommen geboren werden können. Rassen, in denen bislang der MDR1-Defekt nachgewiesen wurde:

Collie (Kurzhaar- und Langhaar Collies) Border Collie Shetland Sheepdog Australian Shepherd English Shepherd Longhaired Whippet Old English Sheepdog (Bobtail) Silken Windhound McNab-Hütehund Wäller Weißer Schweizer Schäferhund
Symptome

In Abhängigkeit von der Medikamentendosierung und Körpergewicht treten Störungen wie Bewegungs- und Koordinationsstörungen, Zittern, Atembeschwerden, Benommenheit, Erbrechen, Desorientiertheit, fehlender Pupillarreflex und vermehrter Speichelfluss auf bis hin zu komatösen Zuständen und dem Tod des Tieres Die Symptome treten 6 – 24 Stunden nach Applikation auf und entwickeln sich über mehrere Tage. Im allgemeinen gilt, je schneller die Toxizitätssymptome nach oraler Gabe auftreten, desto schwerer ist der Verlauf der Intoxikation.

Ursache

Die Ursache dieser Erkrankung liegt in einem Verlust von 4 Basen (Bausteine der DNA) innerhalb des MDR1-Gens. Diese Mutation (nt230del4) führt zu einem vorzeitigen Abbruch der Proteinsynthese, so dass kein funktionsfähiges Transportprotein gebildet werden kann.

Folgende Genotypen sind möglich:

N/N Das Tier trägt nicht die MDR-verursachende Mutation. Es ist reinerbig für die Normalkopie des Gens. Es wird als N/N (normal = clear) bezeichnet und wird nicht erkranken.

N/MDR Tiere, die in nur einer Genkopie die Mutation tragen, werden als N/MDR (Anlageträger = carrier) bezeichnet. Sie sind mischerbige Träger der Mutation und erkranken nicht. Sie können aber die MDR-Anlage mit 50%iger Wahrscheinlichkeit weitervererben.

MDR/MDR Tiere, die in beiden Genkopien die MDR-verursachende Mutation tragen, werden im Befundbericht als MDR/MDR (betroffen = affected) bezeichnet. Sie sind reinerbige Träger der Mutation und erkranken an MDR. Sie vererben die MDR-Anlage mit 100%iger Wahrscheinlichkeit and die Nachkommen.

Die Zucht

Für die Zucht ist entscheidend, dass Anlageträger (tragen ein mutiertes Gen und ein normales Gen) zwar selbst nicht erkranken, die MDR1-Erbanlage aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an ihre Nachkommen weitergeben. Bei der Verpaarung von zwei Anlageträgern besteht also die Gefahr, dass ein Teil der Nachkommen von der Erkrankung betroffen ist. Anlageträger müssen aber nicht automatisch aus der Zucht ausgeschlossen werden. Verpaart man diese mit einem N/N Tier (trägt zwei normale Genkopien), können die Nachkommen nur aus nicht betroffenen N/N-Tieren und nicht erkrankenden Anlageträgern (N/MDR) bestehen. Für den Züchter ist das frühzeitige Wissen um die genetische Veranlagung seiner Tiere von besonderer Bedeutung. Der Gentest gibt eine eindeutige Auskunft über das Vorliegen der genannten Mutation. Der Züchter kann so unter Berücksichtigung der Information über die genetische Veranlagung mögliche Anpaarungen genau planen.

Kreuzungsschema:

Medikamente im Zusammenhang mit betroffenen MDR1 (-/-) Hunden (Quelle: Universität Gießen)

Kategorie 1 Sollten nicht angewendet werden
Ivermectin-Präparate: (Diapec®, Ecomectin®, Equimax®, Eqvalan, Ivomec®, Noromectin®, Paramectin®, Qualimec®, Sumex®, Virbamec®) Doramectin-Präparate: (Dectomax®) Moxidectin-Präparate: (Cydectin®, Equest®) Loperamid-Präparat: (Imodium®,)

Kategorie 2 Anwendung nur mit gründlicher Nutzen- Risiko-Abwägung Zytostatika:
(Vinblastin, Doxorubicin, Paclitaxel, Docetaxel, Methotrexat, u.a.) Immunsuppressiva: (Cyclosporin A) Herzglykoside: (Digoxin, Methyldigoxin, u.a.) Opioide (Morphin, Fentanyl) Antiarrhythmika (Verapamil, Diltiazem, Chinidin) Antiemetika (Ondansetron, Domperidon)

Kategorie 3 können angewendet werden
Stronghold®, (Wirkstoff Selamectin) Milbemax® (Wikstoffe Milbemycinoxim, Praziquantel) Advocate® (Wirkstoffe Moxidecin, Imidacloprid)

Quelle: www.biofocus.de

PRCD-PRA (PRCD = progressive rod cone degeneration; PRA = Progressive Retina Atrophie) beim Hund

Die PRCD (progressive rod-cone degeneration = fortschreitender Stäbchen- und Zapfen-Schwund) ist eine in verschiedenen Hunderassen auftretende erbliche Augenerkrankung, die letztendlich zur Erblindung führt und nicht behandelt werden kann. Sie gehört in die Gruppe der progressiven Retina Atrophien (PRA; Netzhautschwund), bei denen eine stufenweise fortschreitende Zerstörung der Retina (Netzhaut) des Auges auftritt. Die Retina befindet sich auf der Innenseite des Augapfels. In ihr befinden sich die eigentlichen Sehzellen, die als Stäbchen und Zapfen für das Sehen im Dämmerlicht (Stäbchen) und Tageslicht (Zäpfchen) zuständig sind.

Symptome

Bei der PRCD–PRA werden durch einen noch unbekannten Prozess zunächst die Stäbchen und danach die Zapfen strukturell und funktionell zerstört. Dementsprechend sind die ersten klinischen Symptome der Erkrankung Nachtblindheit, die dann in einen fortschreitenden Verlust der Sehkraft übergeht und schließlich in kompletter Blindheit endet. Das Alter, in dem die ersten Symptome auftreten, variiert in den betroffenen Hunderassen, liegt aber typischerweise zwischen drei und fünf Jahren mit einer totalen Erblindung etwa zwei bis vier Jahre später.

Ursache

PRCD-PRA wird durch einen Gendefekt (Mutation) im PRCD-Gen verursacht, das in zwei Kopien vorliegt. PRCD-PRA wird autosomal rezessiv vererbt. Das bedeutet, dass sowohl männliche, wie auch weibliche Tiere gleichermaßen betroffen sind und nur Tiere erkranken können, wenn sie in beiden Genkopien die Mutation tragen. Das kann nur dann passieren, wenn sowohl Vater, als auch Mutter die PRCD-Mutation tragen und beide die Mutation vererbt haben.

Australien Cattle Dog American Cocker Spaniel
American Eskimo
Chesapeake Bay Retriever
Chinese Crested
Englischer Cocker Spaniel
Entlebucher Sennenhund
Kuvasz
Lapponian Herder
Australien Stumpy Tail Cattle Dog
Labrador Retriever
Golden Retriever
Zwergpudel
Nova Scotia Duck Tolling Retriever
Portugiesischer Wasserhund
Schwedischer Lapphund
Finnischer Lapphund
Silky Terrier
Toy Pudel

Diese Hunderassen können mit dem PRCD-PRA-Test getestet werden und tragen alle die gleiche krankheitsverursachende Mutation im PRCD-Gen.

Folgende Genotypen sind möglich

N/N Das Tier trägt nicht die PRCD-PRA-verursachende Mutation. Es ist reinerbig für die Normalkopie des Gens. Es wird als N/N (normal = clear) bezeichnet und wird nicht erkranken.

N/PRCD Tiere, die in nur einer Genkopie die Mutation tragen werden als N/PRCD (Anlageträger = carrier) bezeichnet. Sie sind mischerbige Träger der Mutation und erkranken nicht. Sie können aber die PRCD-PRA-Anlage mit 50%iger Wahrscheinlichkeit weitervererben.

PRCD/PRCD Tiere bei denen beide PRCD-Gene die Mutation tragen, werden im Befundbericht als PRCD/PRCD (betroffen = affected) bezeichnet. Sie sind reinerbige Träger der Mutation und erkranken an PRCD-PRA. Sie vererben die PRCD-PRA-Anlage mit 100%iger Wahrscheinlichkeit and die Nachkommen.

Die Zucht

Für die Zucht ist entscheidend, dass Anlageträger (tragen ein mutiertes Gen und ein normales Gen) zwar selbst nicht erkranken, die PRCD-PRA-Erbanlage aber mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% an ihre Nachkommen weitergeben. Bei der Verpaarung von zwei Anlageträgern besteht also die Gefahr, dass ein Teil der Nachkommen von der Erkrankung betroffen ist. Anlageträger müssen aber nicht automatisch aus der Zucht ausgeschlossen werden. Verpaart man diese mit einem N/N Tier (trägt zwei normale Genkopien), können die Nachkommen nur aus nicht betroffenen N/N-Tieren und nicht erkrankenden Anlageträgern bestehen. Wegen des erst späteren Ausbruchs der Krankheit wird sie oft erst zu einem Zeitpunkt nachgewiesen, zu dem die Tiere unter Umständen bereits in der Zucht stehen. Es besteht die Gefahr, dass betroffene Tiere dann bereits das Defektgen weitervererbt haben. Daher ist für den Züchter das frühzeitige Wissen um die genetische Veranlagung seiner Tiere von besonderer Bedeutung. Der Gentest gibt eine eindeutige Auskunft über das Vorliegen der genannten Mutation. Der Züchter kann so unter Berücksichtigung der Information über die genetische Veranlagung mögliche Anpaarungen genau planen.

Kreuzungsschema:

Quelle: www.biofocus.de

Congentional Stationary Night Blindness – Nachtblindheit beim Briard

Die Rasse Briard ist betroffen von dieser autosomal rezessiv vererbten Augenerkrankung. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch eine angeborene Nachtblindheit. Auch das Sehvermögen unter Tageslichtbedingungen ist mehr oder minder stark beeinträchtigt. Betroffene Hunde zeigen ein abnormes Elektroretinogramm (ERG) mit normaler Wellenform aber deutlich verringerter Amplitude. Beim Briard ist die der Nachtblindheit zugrundeliegende Mutation im sog. RPE65-Gen bekannt. Bedingt durch den autosomal-rezessiven Erbgang sind Hunde mit nur einer Kopie des mutierten RPE65-Gens (sogenannte Anlageträger) klinisch unauffällig und können ophthalmologisch nicht identifiziert werden. Anlageträger geben aber mit einer Wahr- scheinlichkeit von 50% die betroffene Erbanlage an ihre Nachkommen weiter. Bei der Verpaarung von zwei Anlageträgern besteht die Gefahr, daß die Nachkommen von der Nachtblindheit betroffen sind. Nachkommen mit zwei dieser RPE65-Genkopien zeigen im Alter von wenigen Wochen ein stark beeinträchtigtes Nachtsehvermögen. Nach einigen Jahren findet sich bei einigen dieser Hunde auch eingeschränktes Sehvermögen unter Tageslichtbedingungen. Mit Hilfe des Gentests kann dieser Erbfehler direkt nachgewiesen werden.

 

Im Labor LABOKLIN erfolgt der Nachweis nicht über Gelelektrophorese, sondern mittels eines genetischen Analysegerätes, das automatisch den Erbfehler sichtbar macht. Dies erlaubt eine wesentlich sicherere Identifikation von erbgesunden Hunden, Anlageträgern und erbkranken Hunden. Im Rahmen der Zucht kann somit eine weitere Ausbreitung des für die Nachtblindheit verantwortlichen Gendefekts vermieden werden. Für den Test wird 1 ml EDTA-Blut benötigt. Die Testdauer beträgt maximal 7 Arbeitstage nach Probeneingang.

Quelle: www.laboklin.de